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Cheers, Florence Nightingale!

Florence Nightingale (Bild: The London Stereoscopic Photographic Company Ltd/Wellcome Collection, CC BY 4.0)
Florence Nightingale (Bild: The London Stereoscopic Photographic Company Ltd/Wellcome Collection, CC BY 4.0)

[12|05|2020]

Der 200. Geburtstag von Florence Nightingale in Zeiten von Covid-19

 

Heute vor 200 Jahren wurde Florence Nightingale (1820-1910) in Florenz geboren. Die Britin gilt als Begründerin der modernen Krankenpflege. Unzählige Feierlichkeiten waren ihr zu Ehren für den diesjährigen 12. Mai angesetzt worden, die nun wegen der COVID-19-Pandemie verschoben werden mussten. Trotzdem, und gerade auch wegen COVID-19 soll heute ihrer gedacht werden!

 

Denn wenn man auf die damaligen Vorstellungen von Florence Nightingale für die Pflege(-wissenschaft) blickt, sollte ihr Pioniergeist für die seit Covid-19 sogenannte „Systemrelevanz“ der Pflege zu neuem Leben erweckt werden. Nightingale schrieb in ihrem Tagebuch in den 1870ern, dass es 100 bis 150 Jahre dauern würde, bis ihre Vision von Krankenpflege umgesetzt sein würde. Leider hat sie nicht ganz Recht behalten – wir werden Nightingales Anspruch bislang nur bedingt gerecht!

 

Florence Nightingale hat nicht nur Meilensteine gelegt, um die Krankenpflege als Profession zu etablieren, sie hat als Krankenpflegerin erste Hygienemaßnahmen als unverzichtbaren Standard in Krankenhäusern eingeführt. Florence Nightingale war zudem Statistikerin und Epidemiologin - sie erhob Daten und erstellte eigene Statistiken über Zusammenhänge zwischen dem Tod und deren Ursachen, um eine evidenzbasierte Krankenversorgung einzuführen. Beispielsweise stellte sie 1858 in sog. Polar-Area-Diagrammen den Zusammenhang von Todesfällen und Hygienebedingungen dar. In ihrem Buch „Notes on Nursing“ von 1860 beschreibt sie neben der Wichtigkeit von Mortalitätsraten auch die hohe Bedeutung von Risikofaktoren: „'Average rate of mortality' tells us only that so many per cent. will die. Observation must tell us which in the hundred they will be who will die.“ (Nightingale, 1860). Und Florence Nightingale besaß glücklicherweise das notwendige Geschick einen Einfluss auf die gesundheitspolitischen Entwicklungen zu nehmen.

 

Polar-Area-Diagramm, Mortalität im Verlauf eines Jahres mit Ursachenzuweisung (Bild: Florence Nightingale Museum London, UK/Bridgeman Images)
Polar-Area-Diagramm, Mortalität im Verlauf eines Jahres mit Ursachenzuweisung (Bild: Florence Nightingale Museum London, UK/Bridgeman Images)

 

Florence Nightingale lebte in einer Zeit mit vielfältigen Infektionskrankheiten. In unseren Zeiten mit Covid-19 erscheinen die Stärkung dieser Kompetenzen für die Pflege(-wissenschaft) wichtiger denn je. Professionalisierung, Akademisierung, evidenzbasierte Hygienestandards, Statistik, Epidemiologie in den Handlungsfeldern der Pflege sowie Einflussnahme auf die politischen Entscheider sind für ein funktionierendes Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken!

 

Cheers, Mrs. Nightingale and thank you for your spirit!

 

Studiengänge, wie der Master für Advanced Nursing Practice (ANP) an der Hochschule München tragen dazu bei, dass solches Wissen in die Praxis gelangt.

 

Prof. Dr. Christine Boldt (Studiengangsleitung ANP)

 

Einen tieferen Einblick in das Leben von Florence Nightingale gibt der Artikel von McEnroe, Natasha (2020). Celebrating Florence Nightingale?s bicentenary. The Lancet. Volume 395, Issue 10235, p. 1475-1478, May 09, 2020.