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"Die Menschlichkeit steht immer im Vordergrund der Pflege"

Marina Ufelmann hat im Rahmen ihres ANP-Studiums ein Projekt für virtuellen PatientInnenkontakt zu Angehörigen ins Leben gerufen (Foto: Markus Hautmann)
Marina Ufelmann hat im Rahmen ihres ANP-Studiums ein Projekt für virtuellen PatientInnenkontakt zu Angehörigen ins Leben gerufen (Foto: Markus Hautmann)

[12|05|2021]

Marina Ufelmann hat virtuelle Angehörigenarbeit in die Pflege integriert

 

Wer als PatientIn auf einer Intensivstation aufgenommen wird, benötigt ausgezeichnete medizinische Versorgung und Pflege. Was von Außenstehenden oft unterschätzt wird, ist die wichtige Rolle der Angehörigen für die Genesung der Kranken. Sie erhöhen nachweislich deren Lebensqualität und fördern die Genesung. Deshalb, aber auch im Hinblick auf die Gesundheit der Angehörigen selbst, ist die Zusammenarbeit mit ihnen eine wichtige Aufgabe der Pflege.

 

Das erlebt Marina Ufelmann täglich in ihrer Arbeit im Klinikum rechts der Isar in München. Die Fachkrankenpflegerin für Anästhesie- und Intensivpflege ist dort zudem Praxisanleiterin des Arbeitskreises "Angehörigenfreundliche Intensivstation". Nebenberuflich studiert sie den Masterstudiengang Advanced Nursing Practice (ANP) an der HM. Ihr Credo in Sachen Angehörigenarbeit: "Die Menschlichkeit steht immer im Vordergrund der Pflege. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen unserer Patientinnen und Patienten. Durch sie können wir unsere Patienten als Menschen besser kennenlernen und unsere Pflege individueller auf sie ausrichten." In ihrem Studium der ANP setzen die Studierenden eigene Projekte auf und in ihrer Arbeitspraxis um. Ihre pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse kann Ufelmann direkt bei ihrer Arbeit anwenden.

 

Marina Ufelmann bei ihrer täglichen Arbeit auf der Intensivstation im Klinikum rechts der Isar in München (Foto: argum/Klinikum rechts der Isar)
Marina Ufelmann bei ihrer täglichen Arbeit auf der Intensivstation im Klinikum rechts der Isar in München (Foto: argum/Klinikum rechts der Isar)

Virtueller Angehörigenkontakt in Zeiten von Corona

Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit zusammenhängenden Quarantänebestimmungen fallen Besuche auf den Intensivstationen gerade aus. Damit die Angehörigen aber einerseits einen Einblick in die Station erhalten und andererseits die Möglichkeit bekommen, mit den PatientInnen zu sprechen, hat der Arbeitskreis um Marina Ufelmann virtuelle Besuche ins Leben gerufen. Jede der sechs Intensivstationen des Klinikums hat ein mobiles Endgerät im Einsatz. Die Pflegekräfte geben Angehörigen einen Rundgang durch die Station und beschreiben den Zustand der PatientInnen. Falls Angehörige dies möchten und der Gesundheitszustand es zulässt, können sie mit ihren Angehörigen reden. "Wir möchten den Angehörigen ihre Sorgen so weit wie möglich nehmen. Sie sollen sehen, dass ihre Lieben gut bei uns aufgehoben sind", sagt Ufelmann.

 

Als angehende Advanced Practice Nurse bringt Ufelmann Wissenschaft in die Praxis und denkt und handelt 'interprofessionell' (Foto: argum/Klinikum rechts der Isar)
Als angehende Advanced Practice Nurse bringt Ufelmann Wissenschaft in die Praxis und denkt und handelt 'interprofessionell' (Foto: argum/Klinikum rechts der Isar)

Intensivtagebücher helfen PatientInnen wie Angehörigen

Ein weiteres Projekt von Ufelmann und ihrem Team im Klinikum rechts der Isar sind "Intensivtagebücher": „Etwa 32 Prozent der Angehörigen von Intensivpatienten leiden nach der Erfahrung eines Intensivstationsaufenthaltes an Depressionen, bis zu 33 Prozent am Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung. Intensivtagebücher helfen das Erlebte zu verarbeiten und reduzieren das Risiko für Depressionen und Angstzustände signifikant. Unseren Patienten können wir zudem ein Stück weit ihre verlorene Zeit wiederbringen“, erklärt die Projektleiterin.

 

Für Ufelmann ist bei ihren Projekten und ihrer täglichen Arbeit der Theorie-Praxis-Transfer sowie die Vernetzung mit anderen Fachbereichen entscheidend: "Als (angehende) Advanced Practice Nurse bringe ich die Wissenschaft in die Praxis und denke und handle dabei "interprofessionell". Das Geniale ist doch, dass wir mit unseren unterschiedlichen Fachexpertisen alle voneinander lernen können und bei dieser kooperativen Arbeit das Wohl unserer Patienten und deren Angehörigen im Mittelpunkt steht."

 

Die Hochschule München bietet seit 2017 den konsekutiven Master-Studiengang "Advanced Nursing Practice" (ANP) an. Geeignet ist er für die Vertiefung von evidenzbasierter Pflegepraxis. Ziel ist, bessere Pflegequalität in einem selbst gewählten Bereich der Pflegepraxis "an und mit den Menschen" zu verwirklichen.

 

 

Christiane Taddigs-Hirsch